Gulon Dâr

Das Herz des Westens Awarnors bildet das weite Gulon Dâr, einst Gulonia geheißen, seit den Jahren der Priesterkaiserin von Dâr allerdings umbenannt.

Trotz seiner Größe war Gulonia über Jahrhunderte eher unbedeutend, vor allem durch das trockene, kalte Klima bedingt, das den Ackerbau zu einem harten Brot macht. Die hohen, kaum passierbaren Gebirgsketten des Südens fallen schnell in die Gulonische Tiefebene ab, die von Wiesen, Feldern und lichteren Forsten geprägt ist. Rund um die vielen kleineren Städte ringen zahlreiche Bauern dem Boden meist ausreichende Beträge ab. Der Norden des Landes ist hügeliger und bis auf einige Nadelwälder versteppt und trocken. Hier stehen zahlreiche befestigte Burgen und Siedlungen, um den immer wieder einfallenden Orkhorden den Weg ins Kernland abzuschneiden. An der Ostküste befinden sich aufgrund der zerklüfteten Küste nur wenige Hafenstädte.

Seine periphäre Position verlor Gulonia, als sich vor wenigen Jahrzehnten die Bauern im Süden des Landes gegen die bis dahin eigensinnigen und strengen Aristokraten erhoben. Da die Truppen im Norden des Landes durch einen vorangegangenen Orkansturm stark geschwächt waren, wurden unter der Führung der Priesterschaft eines Gottes namens Dâr, dem »Herren der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit«, der König und sämtliche Lehnsherren gestürzt und hingerichtet. An die Spitze des kopflosen Reiches trat die Priesterkaiserschaft des Dâr.

Im Laufe weniger Jahre wurden die meisten anderen Götter als aristokratische Lügen verboten oder versanken in Bedeutungslosigkeit, da die Huldigung Dârs die Menschen ganz ausfüllen sollte. Die Priesterkaiserin vollzogen ihre Herrschaft in der gleichen Strenge, die sie sich selbst auferlegte, und das mit Erfolg: die straffe, zentrale Organisation und das blinde Vertrauen der Untertanen ließen Gulon Dâr erstarken, die Ernten wurden besser, das Verbrechen fast ausgelöscht und die Gläubigen bauten viele Städte zu heller, gothischer Pracht aus, auf dass Dârs Wahrhaftigkeit in ihnen erstrahlen mochte. Das Landvolk blieb unbeachtet und viele hungerten oder zogen als Wanderarbeiter obdachlos durch das Land. Wer keine Arbeit oder Bleibe in den Städten fand, flüchtete aus dem Land und das war das Schicksal der Meisten, da die von Pracht und Gläubigkeit geblendeten Stadthalter keine Obdachlosen und Bettler duldeten.

Durch das große Geschick seiner über Generationen geübten Heerführer aus dem Norden und die fromme Disziplin seiner Soldaten ist Gulon Dâr auch seinen Nachbarn gefährlich geworden, zumal die Bewohner anderer Reiche oft als »Sklaven« ihrer Götter und Gutsherren angesehen wurden, die obendrein für gulonische Verhältnisse auf paradiesisch fruchtbaren Ländereien leben. Nach einigen Konflikten mit Missionaren im Südosten des Landes gab der Rat der Priesterkaiserin Befehl, die Grenzen zu sichern. Die koordinierte Kampfkraft der Templer und Paladine der Wahrhaftigkeit überraschte das Großreich und Falkenfels und stieß innerhalb weniger Tage dutzende Meilen in deren Ländereien vor, wo sie bereits jetzt das weitgehend verschont gebliebene Volk bekehren. Nachdem Tannenheim komplett eingenommen war, bildet sich eine starke Widerstandsfront aus Kämpfern des Großreiches, den Überlebenden aus Falkenfels, Kämpfern aus Agenstein, wenigen Elben und auch einigen Zwergen. Gemeinsam zogen sie gegen die Armeen der Priesterkaiserin, enttarnten ihren diabolischen Pakt und befreiten das gulonische Volk von der Unterdrückung Dârs.

Heute hat sich ein Parlament der freien Rassen in Gulonia gebildet, welches die Belange des Landes und deren Bewohner regelt.