Die Nebelreiche

Oh, die Nebelreiche, ich kann euch sagen, dass jenes verdorbene Land wohl das gottloseste Gebiet ist, dass man sich vorstellen kann. Ich war da und kann euch deshalb nun beschreiben und erzählen, welche Schrecken dort auf den armen Wanderer warten, und warum es keine Macht auf der Welt geben kann, die dieses Land zu retten vermag.
Wenn man die Gipfel des Gebirges überquert hat, sieht man von dem Übel, das einen erwartet, noch gar nichts, der einsame Wanderer sieht nur eine riesige Nebelschicht, und das Einzige, was ihn ermutigen könnte umzukehren sind die leisen Schreie der Tausenden von Toten, die im Gebirge schon gestorben sind, und deren Seelen es nicht gestattet ist in das Totenreich einzuziehen. Denn, wer im Nebelreich stirbt, der bleibt für immer im diesen trostlosen Land, und dass man im Nebelreich stirbt, ist so sicher wie das ich hier vor euch stehe, und euch diese Geschichte erzähle. Wie ich das alles wissen kann fragt ihr euch? Ich sage es euch. Des Nachts kam eine dieser Seelen zu mir und entriss meine Seele dem schlafenden Körper, und brachte mich ins Nebelreich mit der Weisung, mir alles genau zu merken, damit ich jedem davon erzählen möge.
Wo war ich... ach ja... neben den Schreien der Toten kann der Wanderer, wenn er Glück hat, oder nennen wir es lieber Unglück hat, auch noch das dumpfe Trommeln der Orks hören. Denn diese rüsten sich zur Schlacht, die, wie jeder weiß, ja das einzige Vergnügen der Orks ist. Man kann sie hören, wie sie trommeln, und grölen, und sich darauf freuen Dörfer zu überfallen, Familien zu zerstören, Kinder zu verbrennen, und Frauen zu vergewaltigen, doch dies ist eine andere unglückliche Sache. Die Nebelreiche selbst sind verbrannt, ja, das mag merkwürdig klingen, doch der Boden ist verbrannt, als wenn dort früher herrliche Wälder gestanden hätten, deren verbrannten Reste seit Jahrhunderten dort liegen. Und das ganze Land ist so, keine Häuser, keine Städte und die Küste ist eine einzige steile Wand, bestehend aus scharfen schwarzen Steinen, die es unmöglich machen dort zu landen, geschweige denn in das Land einzudringen.
Wenn ihr euch nun fragt, woher denn die brutale dämonische Orkenbrut herkommt, so kann ich euch sagen, dass sie aus dieser veruchten schwarzen Erde entstehen, und zwar immer dann, wenn die von Dämonen betätigten Trommeln anfangen, über das Land zu donnern.
Ich sage euch, hütet euch vor den Nebelreichen, oder es wird euer letztes Unterfangen sein!

Die Erzählung eines (etwas senilen) Barden aus Falkenfels in einer Kneipe

Es gibt so viele Märchen und Legenden über das Nebelreich, und so wenig Fakten, sodass es schwierig ist, dieses nstere und sagenumwobene Land im Nebel zu beschreiben. Die zivilisierte Welt Awanors kennt wenige, die dort waren und zurückkehrten. Eine dieser Personen, Isgrimnur Jorack, hielt sich schätzungsweise 23 Jahre in den Nebelreichen auf, wobei er fast die gesamte Zeit in dortiger Gefangenschaft und Sklaverei war. Seine Entdeckungen sind in seinem Werk »Die wahren Nebelreiche« nachzulesen. An dieser Stelle werden keine Aussagen aus diesem Buch erwähnt, da sie nicht bewiesen werden konnten.
[...] Viele tapfere Männer und Frauen haben Expeditionen in die Nebelreiche unternommen, doch nur die wenigsten kommen über das riesige Fartul-Gebirge, welches die bekannte Welt von dem dunklen Land trennt, und die, die das Gebirge bezwingen konnten kehren nicht zurück.
Das Gebirge ist zerklüftet, wie kaum ein anderes in Awanor, und die dort lebenden wilden Orks und andere garstige Kreaturen überfallen jeden, den sie erwischen.
[...] Der letzte Fakt, den es über die Nebelreiche gibt, sind die Übergriffe der Orks, die über das Gebirge ziehen, und jedes Jahr aufs neue die Siedlungen friedlebender Menschen überfallen

Auszüge aus dem Buch »Das unbekannte Land Awarnor« von der Gelehrtenakademie zu Nauheim

So ist das Land, fürwahr, weitgehend vulkanischer Natur, felsig, karg und schwer begehbar. Feuchte Luft und dampfende Sulfatare erschweren des Wanderers Atmung.
[...] Dennoch muss das Land einst von Höherem als der Orkenbrut bewohnt gewesen sein, sah ich doch so manche riesige, eingefallene Kuppel oder Säule aus dem brüchigen Stein ragen.
[...] Sogar Wälder bekam ich dort zu Gesicht, nicht von Bäumen, fürwahr, doch von einem dichten Dickicht monströser Farne und abnormer Pilze, in deren Nähe sich die Orken nicht trauen.
[...] Lügen strafe ich, wer behauptet, das Land sei unbewohnt. Manches Mal beobachtete ich einen oder mehrere von ihnen. Sie waren völlig in dicken, fremdartigen Stoffen mit seltsamen, dornenartigen Fortsätzen vermummt, hatten dennoch nicht die grobschlächtige Struktur von Orken und entschwanden, sobald sie mich bemerkten.

Auszüge aus dem Buch » Die wahren Nebelreiche«, das zusammen mit seinem Verfasser im Akademischen Sanitarium zu Nauheim verwahrt wird